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Interview mit Chris "Blane" Rowat

1. Wie kamst du auf Parkour?

Auf Parkour wurde ich zum ersten Mal aufmerksam, als ich die Werbung „Rush Hour“ auf BBC gesehen habe und, obwohl ich von dem, was David Belle da gemacht hat, fasziniert war, dachte ich nicht, dass es für mich möglich wäre das selber zu lernen. Erst einige Zeit nachdem ich Jump London gesehen hatte habe ich realisiert, dass ich selber anfangen könnte Parkour zu lernen und, dass es gar nicht so schwer war anzufangen. Ich habe angefangen als ich 17 Jahre alt war, am 10. September 2003, und habe nie zurückgeblickt.

2. Was fühlst du, bevor du einen großen oder schweren Sprung machst?

Ich würde es nicht als ein Gefühl von Angst bezeichnen. Es ist eher eine halb-kontrollierte Anspannung und ein wichtiger Teil meines Vorbereitungsprozesses. Ich fühle mich gerne ein bisschen nervös, weil es mich aufmerksamer macht und mich meine Umgebung besser wahrnehmen lässt, und es auch ein bisschen Adrenalin freisetzt, das mir hilft den Sprung zu machen.

3. Was ist deine Motivation Parkour zu trainieren?

Ich werde zum Training motiviert, indem ich mich daran erinnere was ich bisher alles erreicht habe und dadurch, dass ich mich selber daran erinnere noch sehr weit am Anfang von Parkour zu stehen. Ich möchte besser werden also bemerke ich, wie ich die ganze Zeit trainieren möchte! Ich merke auch, dass mich anderer Leute Videos, speziell die alten aus Frankreich, dazu motivieren rauszugehen und härter zu trainieren.

4. Was denkst du von der „Methode Naturelle“? (Hast du sie je ausprobiert?)

Die Methode Naturelle interessiert mich sehr stark und ich habe einige Zeit damit verbracht darüber zu lesen. Ihre Wertevorstellungen sprechen mich sehr stark an und die Idee „stark“ zu sein, in allen Bedeutungen des Wortes, ist sehr wichtig für mich. Obwohl ich noch nie die Methode Naturelle als solches trainiert habe, habe ich schon immer Interesse an Überlebenskünsten gehabt und wollte ein rundum ausgebildeter Athlet sein, der fähig ist viele verschiedene Dinge zu tun. In der Zukunft würde ich mir gerne mehr Zeit nehmen und andere Dinge, wie die Methode Naturelle, ausprobieren.

5. Wie wichtig ist dir „Helfen“ im Parkour?

Die Idee Parkour zu praktizieren um anderen zu helfen ist von essentieller Bedeutung für mein Training. Ich habe einen sehr altruistischen Ansatz in meinem Training und denke immer darüber noch, wie diese Technik benutzt werden könnte um jemanden in Sicherheit zu tragen. Ich mache Parkour nicht, weil es Spaß macht (obwohl es das oft tut). Ich mache es für praktischere Gründe und den Wunsch selber nützlich zu sein, für Freunde und Familie.

6. Wie sehr bist du in „Parkour-Politik“ eingebunden?

Früher habe ich viel Zeit damit verbracht und viel Energy aufgebracht mir in Foren die neuesten Nachrichten und Diskussionen durchzulesen. Aber inzwischen bin ich davon sehr gelangweilt und vermeide Konflikte und Politik – Ich gehe einfach gerne raus und praktiziere, sehe meine freunde, trainiere hart und vergesse all diese Streitigkeiten. Ich stecke die ganze Energie in andere Dinge, wie z.B. mein Wissen weiterzugeben, Artikel zu schreiben, Bücher zu lesen und mehr zu trainieren. Wenn wir uns alle ein bisschen beruhigen würden und unseren eigenen Wegen folgen würden, dann könnte die Community das werden, was sie einst war: ein freundlicher und einladender Ort.

7. Wie hat Parkour dein Leben verändert?

Vor Parkour fühlte ich mich als Person unvollständig und ich fühlte mich immer, als ob etwas fehlte. Ich habe mehrere Dinge probiert, wie z.B. Kampfsport, Laufen und Basketball, aber nichts hat mich zu der Zeit zufriedengestellt.

Als ich Parkour gefunden habe wusste ich sofort am ersten Tag, dass es das war, was ich gesucht hatte. Es brachte mir viel über mich selbst bei und erhöhte mein Selbstvertrauen. Außerdem hat es mir die beste Gruppe an Freunden beschert, die ich mir je hätte wünschen können und es hat mir auch viel über meinen Körper beigebracht und hat mir erlaubt, mich selbst in ein viel stärkeres, schnelleres und ausgeglicheneres Werkzeug zu verwandeln. Ich schulde dieser Disziplin viel und kann es hoffentlich eines Tages zurückgeben. Es hat mein Selbstvertrauen im Umgang mit Menschen erhöht, weil ich auch sehr schüchtern war. Es verändert immer noch mein Leben indem es mir neue Freunde vorstellt, mich immer wieder herausfordert und etwas zeigt, auf das ich hinarbeiten kann.

8. Was denkst du über die Entwicklung von Parkour in Großbritannien?

Ich habe gemischte Gefühle über Parkour in GB, aber bin eigentlich zufrieden. Ich weiß, dass es immer noch Leute gibt, die Parkour für die falschen Gründe machen und Geld machen wollen oder Respekt kriegen wollen, weil sie große Sprünge machen. Aber auf der anderen Seite gibt es eine Menge Leute die, so denke ich, auf einem guten weg sind und auf eine sehr produktive Art und Weise trainieren. Solange es ein paar Leute gibt, die dem alten Weg von Parkour folgen, und solange es Leute gibt, die Zeit in die Community investieren, so glaube ich gibt es noch Hoffnung für die Zukunft von Parkour in diesem Land.

9. Wie haben sich deine Beweggründe Parkour zu trainieren verändert?

Am Anfang wollte ich trainieren, weil es das Coolste war, was ich je gesehen hatte. Ich glaube deshalb fangen die meisten an, weil es fantastisch und aufregend aussieht. Ich gebe zu, dass ich Parkour für egoistischere Gründe trainiert habe und behandelte es zuerst wie einen neuen Sport, aber damals gab es auch keine guten Informationen und ich wusste nicht wirklich, was Parkour war.

Meine Motivation änderte sich nach etwa einem Jahr Training. Dann realisierte ich, dass ich das nicht für die alten Gründe machen wollte, sondern, dass ich Parkour machen wollte um anderen und mir zu helfen.

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10. Fühlst du dich verantwortlich dafür, wie Parkour in deinem Land angesehen wird?

Ich denke, dass ich mich schon teilweise verantwortlich dafür fühle. Ich bin mir nicht sicher, welche Meinung Leute von mir, oder von Parkour in GB, haben, aber ich habe keine negativen Bemerkungen gehört. Ich finde GB macht einen guten Job um Parkour in das rechte Licht zu rücken. Ich finde, dass wir alle eine Verantwortung tragen um sicher zu gehen, dass Parkour positiv angesehen wird, in den jeweiligen Ländern. Wenn wir uns nicht ein bisschen Mühe machen, dann werden die Leute Parkour mit zerstörerischen und negativen Ausübungen verbinden. Ich merke, dass ich meine Umgebung respektieren muss, und Leute und ihr Eigentum mit Respekt begegnen muss und immer mein bestes geben um zu erklären, was ich da mache und warum ich es mache.

11. Wie denken die Leute in der Gegend von dir? Denken sie du bist „Spiderman“ oder wie ein „Held“ oder „ein Verrückter“?

Haha! Nunja, in der kleinen Stadt in der ich lebe, habe ich früher oft alleine trainiert und viele Skater und Kids in der Gegend kennen mich. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Leute mich schon einmal beim Trainieren gesehen hat und ich habe viele „Spiderman“-Bemerkungen gehört, aber im Großen und Ganzen lächeln die Leute einfach und winken. Sie denken wahrscheinlich ich wäre ein bisschen verrückt, aber ich versuche mein bestes um zu zeigen, dass ich normal bin. Ich verbringe jetzt mehr Zeit damit in einer großen Stadt zu trainieren und ich weiß definitiv, dass wir recht bekannt sind, als die Jungs die „rumspringen“.

12. Was denkst du von Gebieten, die für Parkour gebaut werden (Parkourparks, Parkourhallen…)

Ich denke, dass sie eine gute Idee sein *könnten*, aber nur wenn sie richtig gemacht werden, was ich für unrealistisch halte. Wenn sie kostenlos oder sehr billig sind könnten sie ein guter Platz sein um andere Traceure zu treffen oder in einer sicheren Umgebung zu trainieren. Aber es ist wichtig, dass die Stadträte, Regierungen und die Polizei realisieren, dass nur weil sie Parks oder Hallen bauen, das NICHT heißt, dass wir nur dort trainieren werden. Es ist wichtig, dass wir auf der Straße trainieren und in Wäldern um unser Training zu variieren – Ich würde es hassen, wenn mir ein Polizist sagen würde, dass ich aufhören soll zu trainieren und in den „Park“ oder in die „Halle“ gehen soll. Wir sollten diese Orte als einen weiteren, guten Ort zum Trainieren betrachten, neben vielen anderen. Aber wenn wir Parkour auf einen Ort beschränken, dann verwandeln wir es in einen spezialisierten Sport. Eine der besten Dinge an Parkour ist, dass es frei ist und überall praktiziert werden kann und das muss erhalten bleiben.

13. Glaubst du, dass du jemals aufhören wirst Parkour zu machen?

Ich würde gerne „nein“ sagen, aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Im Moment genieße ich mein Training und möchte nie aufhören. Wir alle haben ein Leben außerhalb von Parkour, aber zum Glück ist mein Leben im Moment sehr einfach und es gibt keine Komplikationen. Ich versuche es Tag für Tag zu nehmen und bin dankbar für jede Sekunde, in der ich trainieren kann. In einer idealen Welt würde ich trainieren, bis ich sterbe.

14. Nenn uns einige Erfahrungen, die dein Training geprägt haben, und wie sie dies getan haben.

Die erste Reise nach Lisses war ein einschneidendes Ereignis und hatte einen großen Einfluss auf mein Training. Bis dahin hatte ich nicht realisiert, wie die Franzosen trainiert haben und wie ich trainieren sollte. Ihr Fokus auf Krafttraining und Stählung des Körpers ist sehr offensichtlich, wenn man sie besucht, und als ich nach Hause gekommen bin hat sich mein Training so stark verändert! Ich habe realisiert, wie schwach ich war und habe 90% meines Trainings mit Krafttraining verbracht um all die verlorene Zeit aufzuholen. Inzwischen balanciere ich Technik Training mit Krafttraining um stark zu bleiben.

Eine weitere Erfahrung die einen großen Einfluss auf mich hatte, war eine Mission die ich mit ein paar Freunden unternommen hatte, als wir uns entschlossen haben das höchste Gebäude unserer Stadt hochzuklettern. Wir haben lange gebraucht um einen Weg nach oben zu finden und wir mussten viele verschiedene Hindernisse überwinden, wie z.B. Sicherheitsleute, aber wir haben es geschafft. Der Blick von oben über die gesamte Stadt war atemberaubend und es machte mir klar, dass es immer einen Weg gibt die eigenen Ziele zu realisieren, selbst wenn sie am Anfang sehr schwer erscheinen. Seit dem stelle ich mir selber Ziele und „Missionen“ in der Nacht um wirklich mein Können sich leise zu bewegen herauszufordern. Es ist ein großartiger Weg um Problembewältigungsmethoden zu üben, interessante Hindernisse zu überwinden und zu lernen sich im Dunkeln zu bewegen.

15. Was hältst du von anderen Fortbewegungskünsten?

Ich schätze alle Formen der Bewegung wert, habe aber im Moment kein Interesse etwas anderes als Parkour zu machen. Zum Beispiel kann ich keinen einzigen Salto oder andere Akrobatik… aber ich verwende meine Zeit einfach dazu andere Dinge zu tun, die ich für sinnvoller halte. Dennoch möchte ich jeden dazu ermutigen das zu machen, was ihn zufriedenstellt, und manchmal wird es nervig, wenn Leute versuchen es alles zu vermischen und es „Parkour“ zu nennen. Für mich ist Parkour ein spezifisches Ding, und nicht wasauchimmer Leute wollen, was es ist. Vielleicht werde ich eines Tages andere Künste ausprobieren, aber im Moment ist all meine Zeit dafür eingeplant effiziente Wege durch verschiedene Umgebungen zu lernen.

16. Achtest du auf deine Ernährung?

Ja, sehr sogar. Es erforderte viel Disziplin, aber ich habe inzwischen alle schlechten Nahrungsmittel aus meiner Ernährung gestrichen und esse nur Nahrung, die nützlich für meinen Körper ist. Ich schätze die Vorteile einer gesunden Ernährung und eines reinen Körpers wirklich sehr. Wenn du dich wirklich Parkour verschreiben willst, dann ist es überaus wichtig ein bisschen Zeit damit zu verbringen Ernährung zu erforschen und deine Ernährung umzustellen, um dich als Athlet anzutreiben.

17. Wie trainierst du lieber? Mit anderen, oder alleine?

Ich bevorzuge es in kleinen Gruppen zu trainieren, mit nicht mehr als 5 Leuten. Ich halte es für unproduktiv mit größeren Gruppen zu trainieren. Natürlich ist es großartig sich mit mehreren Leuten zu treffen, aber ich bevorzuge kleinere Gruppen. Ich liebe es auch alleine zu trainieren und manchmal, wenn ich alleine rausgehe, finde ich es einfacher mich zu konzentrieren und verliere mich in meiner eigenen, kleinen Welt. Aber wenn du gute Freunde hast, die aus den gleichen Gründen wie du trainieren, dann können Gruppentrainings auch sehr spaßig sein.

18. Warum kommst du nicht mehr ins IRC (Chat)?

Leider habe ich nicht mehr so viel Zeit für IRC. Mit Arbeit, Training, Familie und Zeit für Emails bleibt nicht viel Zeit für IRC oder MSN übrig. Wenn Leute mich kontaktieren wollen ist es wahrscheinlich der beste Weg das über meine Email oder meinen Blog zu tun. Wenn ich ein wenig Freizeit in der Zukunft habe, dann werde ich definitiv online kommen und hallo zu einigen Leuten sagen. :-)

Von ParkourOne

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gutes interview. ist ja intressant, das mit den "missionen" =))

naja, er ist ja gut genug. die illegal-frage bleibt jedem selbst überlassen.

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