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martin

Parkour - Vollrausch ohne Drogen?!

Parkour erfordert die Kunst scheinbar Gegensätzliches miteinander zu vereinen.

Diszipliniertes Training trifft auf spielerischen Umgang mit der Umgebung. Kreativität und Improvisation trifft auf das Streben nach Perfektion. Präzise Selbsteinschätzung trifft auf Bewegungsrausch.

 

Im Buch „Opium bringt Opi um“ beschreibt James Nestor Parkour als eine von „175 Ideen für einen Vollrausch OHNE Drogen“.

Wie kann das sein, wenn doch ein vielzitierter Leitspruch lautet: „Power is nothing without control“?

control“ meint in diesem Sinn die Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Situation und deren Ausgang. Wer hier nur Logik und rationales Denken meint, wird sehr schnell feststellen, dass diese Ebene alleine schlicht zu langsam und zu wenig motivierend ist um mit den Herausforderungen von Parkour umzugehen. Ebenso wichtig sind die Fähigkeiten seine psychische und physiche Zustand möglichst genau einschätzen und darauf vertrauen zu können.

Kurz gesagt, es sind Kopf, Herz und Bauch gefordert.

„Your Movement has to be seamless, natural – and the only way for it to be truly natural is for it to happen without too much conscious thought. It has to be instinctive.”

(Edwardes 2009 S. 138)

 

Um das Verhältnis von Parkour, Rausch und Risiko besser zu verstehen, hilft es von den Gedanken Abschied zu nehmen, die Welt ließe sich in Sicher und Unsicher teilen und Risiko gelte es auf jeden Fall zu vermeiden.

Sicherheit ist ein individuell empfundener Zustand und hat oft nichts mit der realen Gefahr für Leib und Leben zu tun. Selbst mit höchstem Ressourceneinsatz ist absolute Sicherheit nicht zu erreichen.

Menschen haben ein Bedürfnis danach sich riskanten Situationen auszusetzen, denn dort wo der Einsatz der eigenen Fähigkeiten den Unterschied zwischen Landung und Sturz macht, wird Selbstwirksamkeit erfahrbar und das Leben wird zum Abenteuer das mitreisst, statt dahinzuplätschern.

 

Im Bewegungsrausch

Traceure und Traceusen sprechen immer wieder davon „in den Flow“ zu kommen oder „einen Kick“ zu spüren, wenn sie trainieren. Parkour hat das Potential, unterschiedliche Arten von Rausch hervorzurufen.

 

  • Kick - „Uh, das war knapp!“

Der Kick ist ein Notfallprogramm des Körpers. In bedrohlichen Situationen werden tiefsitzende Bewegungsprogramme abgerufen, die sich der bewussten Kontrolle entziehen. Darüber nachzudenken wäre in solchen Situationen einfach zu langsam. Gleichzeitig werden Substanzen (z.B. Adrenalin) im Körper frei, die dafür sorgen schnell Leistungsreserven zu mobilisieren. Die Berauschung durch den Kick ist kurzfrisitig und nutzt sich schnell ab. Nach den Leistungsspitzen stellt sich oft Mattheit oder Erschöpfung ein.

 

  • Flow - „Ich geh mal kurz trainieren.“ ...Stunden später... „Sorry ich hab die Zeit ECHT übersehen.“

Beim Flow handelt es sich um ein rauschhaft erlebtes „Aufgehen im Tun“, bei dem Glück und Lebensfreude empfunden werden. Das Selbst verschmilzt mit dem Handeln und das Zeitgefühl verändert sich.

Wenn Traceure und Traceusen in den Flow kommen, verschmelzen sie in ihren Bewegungen mit der Umgebung. Sie erbringen dabei Leistungen, die sie „nüchtern“ nicht erreichen würden.

Menschen können im Angesicht einer Herausforderung den Flow finden WENN:

  • sie sich freiwillig dieser stellen

  • die Herausforderung angemessen1 ist und Rückmeldung bietet

  • und sich darauf konzentrieren (vgl. Csikzentmihalyi 2008)

 

  • Euphorie - JAAAA!!!!“

Parkour bringt Menschen dazu, sich lang und schweißtreibend an einem Hindernis abzumühen. Es unzählige Male "knapp nicht" zu schaffen und sich dabei mit negativen Emotionen (Frust, Verzweiflung, Angst, Wut) konfrontiert zu sehen und trotzdem nicht aufzugeben. Wenn dann plötzlich die scheinbar unüberwindbare Grenze überschritten wird, stellt sich der Mühen Lohn ein. Das Hochgefühl, es endlich geschafft zu haben, durchflutet den ganzen Körper und gibt neue Energie.

 

Den Bewegungsrausch nutzen

Der Bewegungsrausch wird in Parkour bewusst kultiviert und als Trainingsmethode genutzt.

Traceure und Traceusen suchen gezielt nach dem Flow, um am schmalen Grat zwischen Über- und Unterforderung entlang zu balancieren. Dadurch wachsen die eigenen Fähigkeiten und der eigene Handlungsspielraum erweitert sich. Es wird ein sehr bewusster Umgang mit Risiko praktiziert.

Dem Kick stehen viele erfahrene Traceure und Traceusen sehr kritisch gegenüber. (vgl. Edwardes 2010, Rowat 2012) Der Kick lässt sich sehr einfach erreichen, indem man sich selbst gezielt überfordert. Zwar ist er ein unverzichtbares Notfallprogramm, aber ihn bewusst anzustreben führt oft zu Verletzungen und bringt keinen Zugewinn an Fähigkeiten.

Euphorische Energie wird oft dazu genutzt das Gelernte zu festigen. Gemäß dem Credo „once is never“ („einmal ist keinmal“) wird etwas nachdem es geschafft wurde, weiter wiederholt und perfektioniert. Die positive Stimmung begünstigt das Lernen und Festigen neuer Bewegungsmuster.

Parkour ist also keineswegs eine nüchterne oder gar abstinente Praxis, sondern im Gegenteil, eine großartige Möglichkeit eine eigenverantwortliche Balance in Rausch und Risiko zu entwickeln.

 

Wer mehr über Rausch- und Riskiobalance lesen will: www.risflecting.at

Quellen:

Csikzentmihalyi, M. (2008). Das flow-Erlebnis. Jenseits von Angst und Langeweile im Tun aufgehen. Stuttgart: Klett-Cotta.

Edwardes, D. (2009): The Parkour & Freerunning Handbook. Virgin Books.

Ders. (2010). Parkour History. The Birth of (a) Movement. http://www.parkourgenerations.com/articles.php?id_cat=2&idart=2

Koller, Gerald, Rögl, Nicole (2003): Risflecting. Grundlagen, Statements und Modelle zur Rausch und Risikopädagogik. Akzente Suchtprävention. Salzburg.

Rowat, C. (2012). A call to arms

http://blane-parkour.blogspot.co.uk/2012/11/a-call-to-arms.html

1Angemessen ist eine Herausforderung, wenn die äußeren Anforderungen einer Aufgabe in Balance mit den Fähigkeiten einer Person stehen, diese Anforderungen zu bewältigen. (vgl. Töchterle in Koller, Rögl 2003 S.10)

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Zum Thema Flow wurde mit von Callum folgendes Buch empfohlen:

https://www.amazon.de/Rise-Superman-Decoding-Ultimate-Performance/dp/1784291226/

Bringt nette Einsichten zu Extremsportlern und wie sie mit Adrenalin umgehen bzw. warum Adrenalin eigentlich nicht erwünscht ist, sondern 'Flow'.

Nette Geschichten (Base-Jumping, Skate-Stunts, Surfen, etc.), interessante Einsichten... nichts weltbewegendes, aber um 5€ nicht viel verhaut.

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1 hour ago, TOM said:

Nette Geschichten (Base-Jumping, Skate-Stunts, Surfen, etc.), interessante Einsichten... nichts weltbewegendes, aber um 5€ nicht viel verhaut.

Danke für den Literaturtipp

Jan Böhmermann nimmt sich des Themas Red Bull und Extremsport bitterböse und treffsicher an. Sehr sehenswert:

 

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