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Breaking the jump – Buchrezension


TOM

Breaking the jump - The secret story of Parkour's high-flying rebellion | Exploding into a worldwide phenomenon throughh the film Yamaklasi and viral internet videos, Parkour landed into the mainstream and on all urban landscapes. Now, for the first time, Julie Angel tells Parkour's unknown story.

Seit 2003/04 bewegt sich die Engländerin Julie Angel in der Parkour-Szene und hat mit Ihrer Doktorarbeit Ciné Parkour (2011) bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie Parkour inhaltlich verstanden und viel Zeit damit verbracht hat. "Breaking the jump" ist (im Vergleich zu Ciné Parkour) mit seinen knapp 300 Seiten weit weniger trocken zu lesen, da es sich eben nicht um eine Doktorarbeit handelt. Gespickt mit kleinen Erfahrungsstories und persönlichen Einsichten, liest es sich Kapitel für Kaptiel wirklich interessant und unterhaltsam.

in_book.jpgNicht nur einmal hat das Buch mir während des Lesens wahnsinnige Lust auf das Training gemacht. Einen Effekt den manche Parkour-Ausübende wohl auch verspüren könnten sind die 'ich fühl mich schwach' -Momente. Wenn man bei den schier unmöglichen Wiederholungszahlen des Yamakasi-Trainings vorbeiliest, reibt man sich ungläubig die Augen. Die Jungs sind und waren stark.... sehr stark.

Dies gibt aber auch eine interessante Perspektive auf unser Training heute. Wir trainieren weit technischer, ja wohl auch professioneller und abgerundeter. Die Meisten achten auf Ernährung und generelle Trainingslehre. Damals wurde aus meiner Sicht eher übertrainiert und dem Körper kaum Zeit zum Regenerieren gegeben. Auch in den heutigen Zeiten haben wir unsere Probleme damit, aber wohl nicht in dem Ausmaß, wie die Truppe sich in den 80-ern und 90-ern gequält hat.

Das Buch selbst fängt mit dem Vorwort von Christopher McDougall (Born to Run Autor) leider denkbar schwach an. Aus meiner Sicht kann man das ganze Intro überspringen, es bringt kein neues Wissen und ist eher für den Casual-Leser gedacht der noch nie etwas von Parkour gehört hat. Danach wird auf die Architektur der pariser Vororte eingegangen (Lisses, Evry) und warum diese eigentlich so perfekt für Parkour erbaut wurden.

Es wird das erste Aufeinandertreffen der sich bildenden Yamakasi-Gruppe im Jahre 1987 beschrieben, bei dem man die Hormone der Jugendlichen von damals fast riechen kann. Alte Geschichten die wohl noch nie an die Öffentlichkeit gingen, einem die einzlenen Yamakasi-Mitglieder aber viel persönlicher erscheinen lasssen. Auch die frühen Einflüsse auf Parkour sind gute Bekannte: Bruce Lee, Jackie Chan und Dragon Ball. 

Das Buch ist chronologisch aufgebaut und besteht aus intensiven Erfahrungen der Yamakasi. Beispielsweise kommt ein 14 jähriger Williams Belle vor, der von der restlichen Truppe zurückgehalten werden musste den Manpower-Gap nicht zu springen. Einer der intensivsten Sprünge, selbst für extrem durchtrainierte Athleten. Dies führt einem ein wenig vor Auge wie durchtrainiert und stark die Yamakasi damals bereits im jüngsten Alter waren.

Eine Generation ohne Selfie-Stick oder Smartphone, die für sich trainert hat und enorme körperliche Fortschritte erzielten, ohne es mit der Welt zu teilen.

dame_du_lac.jpgAuch lebensgefährliche 'Mutproben' kommen vor, die sie heute nicht mehr ausführen würden. Die Freunde haben sich zum Beispiel an den Beinen gehalten und Kopfüber wie Fledermäuse von der 15 Meter Kletterkonstruktion des Dame Du Lac gehalten. Heute kommt ein klares 'that's not parkour' dazu, von den Yamakasi selbst. Damals mussten sie dies erst für sich selbst herausfinden und es war eine weitere Probe um Ihre Stärke zu beweisen.

Stärke die sie in ihrer rauen Umgebung auch brauchten, denn ein ruhiges und behütetes Umfeld waren die pariser Vororte zu den Zeiten sicherlich nicht. Die Gruppe an Freunden trainierte wie verrückt und gingen 1997 bei einer Feuerwehr-Show erstmals an die Öffentlichkeit und zeigten die Ergebnisse ihres Trainings. Von Anfang an machten sie sie einen enormen Eindruck bei den Parkour-Muggels. Kurz darauf folgte das erste TV-Interview für das französische Fernsehen 'Stade2 TV'. Schon hier wird von ersten Spannungen in der Gruppe berichtet, da David Belle klar als Anführer gezeigt wird.

Durch die interessierte Öffentlichkeit ergaben sich die ersten Möglichkeiten mit Parkour Geld zu verdienen und das wurde mit dem Notre-Dame Theaterstück genutzt. Es handelt sich im um eines der erfolgreichsten französioschen Theaterstücke überhaupt, bei dem die Yamakasi zum Beispiel Sprünge von 5-6 Meter auf harten Untergrund vorzeigten.

Im Buch geht die Geschichte dann über aus der Perspektive von Stephane Vigroux, wie er Kontakt zu David Belle aufbaute und als 'Padawan' von Ihm fungierte. Harte Challenges wäre noch nett ausgedrückt, denn bei dieser Trainingsintensität von Früh bis Spät gingen nicht nur einmal die Lichter vor Erschöpfung fühzeitig aus. Auch auf Davids Vater, Raymond Belle wird eingegangen. Keine gute-Nacht Geschichte für Kinder und eher hart zum verdauen.

Es wird gut dargestellt wie und warum sich die Yamakasi langsam auseinanderlebten und durch Situationen wie die Zusammenarbeit mit Luc Besson's 'Yamakasi' komplett von David wegbrechen. Gute Innsights zur preisgekrönten BBC-Werbung 'Rush hour' und den Nike-Werbungen erhält man auch. Ich wusste zum Beispiel nicht dass diese Werbungen den Weg bahnten für Jump London. Der Regisseur dachte sich, dieses Wissens-Vakuum rund um Parkour müsse gefüllt werden, was die internationale Bekanntheit von Parkour in England und weiteren Ländern massiv förderte. 

pictures.jpgEs fügten sich im Buch viele Informationspuzzleteile zu einem Ganzen zusammen. Man versteht gut warum die Jungs damals damit begonnen haben und was ihr Antrieb war. Es macht sichtbar wie stark sich Parkour über die Jahrzehnte verändert und 'professionalisiert' hat. Man lebt richtig mit, wie sie herausfinden mussten was wichtig ist und was an Unsinnigkeiten aus dem Training rausgeworfen wurde. Die gefährliche Korruption der Bekanntheit, was viel Kraft und sogar Freundschaften kostete. Freunde die sich buchstäblich ihr Leben anvertraut haben und wegen Geld plötzlich gegeneinander arbeiten.

Breaking the jump ist ein sehr interessantes Buch, dass ich jedem der an Parkour interessiert ist durchaus empfehlen kann. Wer sich nicht mit der Geschichte und den Werten von Parkour beschäftigt, der betreibt aus meiner Sicht kein Parkour, sondern springt nur herum. Hier wurde viel Arbeit reingesteckt und sehr gut in englischer Sprache formuliert, wie dieses herumspringen entstanden ist und warum es mehr als nur das ist.

Meine Kaufempfehlung hat das Buch auf jeden Fall.

titelbild_breaking_the_jump.jpg

Edited by TOM



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