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Parkour und die Hausdächer, eine Hassliebe


TOM

Eine der bekanntesten und gleichzeitig ältesten TV-Werbungen mit Parkour-Inhalt ist "rush hour", vom englischen BBC-Channel. Darin kommt einfach alles vor, was angehende Parkour-Athleten (aber auch das sonstige Publikum) interessiert: Ein Mann mit durchschnittlich attraktivem Gesicht, aber einem aussergewöhnlich muskulösen Körper (natürlich ohne Ober-Bekleidung) und noch viel aussergewöhnlichen Bewegungen. Dieses Feuerwerk an graziösen und katzenartigen Bewegungen wird durch das richtige Setting einer anonymen englischen Großstadt erst so richtig in Szene gesetzt. Mit richtigem Setting sind natürlich Häuserschluchten und Hausdächer gemeint, denn nur dort findet sich der wahre Parkour-Athlet wieder und kann sich richtig ausleben.... so zumindest diese Werbung.

Man könnte jetzt noch viele TV (und sonstige Publikums-intensiven) Werbungen und Kino-Szenen mit Parkour-Inhalten auflisten, aber dies tut eigentlich nicht viel zur Sache. All diese professionellen Drehs mit Dreh-erfahrenen Athleten aus der Parkour-Szene, hatten einen starken Impact auf die Parkour-Communities weltweit. Parkour findet in den Köpfen der meisten Leute auf Hausdächern statt, so wie Vögel immer in der Luft fliegen und Regenwürmer immer unter der Erde zu finden sind... ihre natürliche Umgebung also. Eine Faktum, welches aber selten erwähnt wird: Weder David Belle, noch sonstige Parkour-Athleten tummeln sich nur auf Dächern herum.

Bei professionellen Drehs, wie oben genanntem, gibt es immer Dreh-Genehmigungen und meist sogar Safety-Equipment wie dicke Flop-Matten und manchmal sogar Wires, für die Darsteller. Bei Drehs wie in James Bond - Casino Royal, kann und will man es sich nicht leisten, dass sich die Darsteller verletzen... ja nicht einmal die Stunt-Doubles (oft Parkour-Athleten) sollten sich verletzen. Dennoch wagen sich täglich immer wieder eifrige Nachwuchs-Stuntmen auf Dächer in der ganzen Welt und wollen diesen tollen Action-Szenen nacheifern.... ohne Safety Equipment, es ist ja Parkour und da trägt man keinen Helm.

Dass diese harte Realität wenig bis nichts mit der fiktiven Film- und TV-Welt zu tun hat, sollte der gesunde Mensch eigentlich von alleine verstehen, macht aber scheinbar nicht jeder. Noch ein Beispiel: Faustkampf-Szenen, in nahezu jedem guten Action-Film kommen sie (meist mehrfach) vor und dauern oft 10-15 Minuten. Von A bis Z durch-synchronisierte und aufwändig in Szene gesetzte Film-Sequenzen, wo der Held meist mehrfach durch den Raum geschleudert wird und mit dem letzten Atemzug dann doch noch den Bösen spektakulär besiegen kann. Wer schon einmal in der kalten harten Welt draussen eine kassiert hat oder dabei zusehen musste weiss, dass das ganze Spektakel nach wenigen Sekunden mit einer gebrochenen Nase und Gehirnerschütterung im Spital endet. Es ist und bleibt unrealistisch, gestellt, geskriptet und wurde in einer sicheren (bzw. abgesicherten) Umgebung auf Film gebannt.

Aber zurück zu den Hausdächern. Parkour hat nichts, rein garnichts mit Hausdächern am Hut. Es handelt sich schlicht um ein spektakuläres Setting, damit es eindrucksvoller für die Zuseher wirkt. Kein Parkour-Athlet wird durch seinen ersten Roof-Gap Sprung zum richtigen Traceur, noch nähert er sich damit seinem Idol aus dem Fernsehen. Es gibt aber eine Aussage, die durchaus etwas mit Parkour zu tun hat: "Respektvoll mit sich und seiner Umgebung umgehen". Dieser Respekt bezieht sich genauso auf fremden Privat-Eigentum, was Hausdächer nun meist auch sind.

Solange also Athleten nicht die ausdrückliche Erlaubnis dazu haben (meist im Rahmen eines professionellen Drehs), haben sie auch rein garnichts auf fremden Dächern zu suchen. Als Negativ-Beispiel möchte ich hier England anführen, wo es inzwischen so weit gekommen ist, dass mit Anti-Climb-Paint und sonstigen Vorrichtungen gegen übereifrige Dach-Athleten vorgegangen wird. Wer Anti-Climb-Paint nicht kennt, dies ist eine schwarze klebrige Masse, die in England an leicht zugängigen Hausdach-Fassaden angebracht wird, um gewisse Personen daran zu hindern, hinauf zu klettern. Wenn die Polizei oder Security jemanden mit schwarzer Farbe an Händen und Bekleidung antrifft, der kommt in argen Argumentations-Notstand, denn diese Farbe lässt sich nur sehr sehr schwer wieder abwaschen. Generell ist Parkour in der englischen Öffentlichkeit meist nicht gerne gesehen und bringt oft Probleme mit sich. Kaum ist man aufgewärmt, schon ist man von Polizei und Security umzingelt und darf diskutieren (oder gleich gehen). Wurde hier in den letzten Jahren ein bisschen zu viel auf und in fremden Eigentum herumgesprungen?

Dies sind Vorgehensweisen aus einem Land, wo Parkour schon ein paar Jahre länger als in den restlichen Ländern ausserhalb Frankreichs bekannt ist. Ein Negativ-Blick in die Zukunft sozusagen, wo man genau erkennen kann was passiert, wenn man sich nicht an die Spielregeln hält. Probleme mit der Exekutive sind aber noch das geringste Problem, denn die Lebensgefahren solcher Stunts auf Hausdächern braucht man eigentlich garnicht erst näher erläutern. Ja, es sind Stunts... und kein Parkour.

Zusammenfassend kann man sagen: Hausdächer-Sprünge und Dach-Kletter-Aktionen wie man sie von Athleten (ende nie) auf Youtube (bzw. sonstigen Video-Plattformen), im Fernsehen und im Kino entdecken kann, spiegeln nicht Parkour wieder. Sie spiegeln nicht das wieder, wofür wir eigentlich trainieren (sollten) und sie geben uns auch keine Freiheit, die wir sonst nirgends erreichen können. Dies sollte kein Ziel für uns sein und man sollte lernen zwischen Realität und Fiktion zu differenzieren.


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