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TOM

Parkour-Fotografie - How to (in a nutshell)

„Die Photographie ist eine wunderbare Entdeckung, eine Wissenschaft, welche die größten Geister angezogen, eine Kunst, welche die klügsten Denker angeregt – und doch von jedem Dummkopf betrieben werden kann“ - Shiv Nadar
 
Künste ansprechend miteinander zu kombinieren, ist manchmal kein simples Unterfangen. Die Kunst der Fortbewegung mit der Kunst der Fotografie zu verbinden, ist (mit ein wenig Übung) allerdings kein Ding der Unmöglichkeit und für jeden erlernbar. Die frühe Verbreitung von Parkour wurde auch durch stille und bewegte Bilder weltweit forciert, hier will ich allerdings explizit auf die Fotografie und nicht auf das Filmen von Parkour-Videos eingehen.
 
Zuerst der klare Hinweis, dass dies hier kein Tutorial für Fotografie selbst ist. Wer sich ernsthaft mit Fotografie beschäftigt und nicht Instagram-Filter als Bildbearbeitung bezeichnet, der sollte wissen was es mit Begriffen wie: ISO, Blende, Schärfentiefe, Verschlusszeit, etc. auf sich hat und wie diese im Verhältnis miteinander stehen. Wer davon keine Ahnung hat, findet im Internet viele Informationen/Tutorials, oder sollte evtl. einen praktischen Kurs besuchen.
 
Dies hier ist ein Artikel, der die Erfahrung von vielen Parkour-Fotoshootings mit vielen verschiedenen Fotografen in verschiedensten Settings zu einer knappen, aber hoffentlich hilfreichen Liste zusammenfasst => "In a nutshell"
 

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Das Dream-Team:

Die Zusammenarbeit zwischen Akteur und Fotografen ist wichtig, bei der Entstehung eines ansprechenden Parkour-Bildes. Einfach Bewegungen abspulen, ohne Kommunikation mit dem Fotografen funktioniert meist nicht. Für viele Fotografen ist Parkour absolutes Neuland, manche haben überhaupt wenig Erfahrung mit schneller Sport-Fotografie und sind gewohnt im Studio zu stehen, Portraits zu schießen oder Architektur zu fotografieren. Die Dynamik zwischen Athlet und Fotografen muss einfach passen und hier ist der Protagonist in der Rolle, den Fotografen optimal in die Hände zu spielen und der Fotograf muss mitteilen können, was er sich wie vorstellt. Den Fotografen mit Parkour-Begriffen zu bombardieren ("Ich könnte einen Saut de Chat hier ausführen, dort wäre noch ein Reversé möglich und da oben ein Laché...") ist nicht zielbringend. Vorzeigen und Mitdenken ist hier angesagt.
 
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Eine Thema das hier dazu gehört ist das Location-Scouting. Generell werden die Parkour-Athleten vorgeben können, wo Bewegungen für Sie möglich sind und die Fotografen meist an die körperlichen Grenzen kommen, um interessante Stellen für die Motive erreichen zu können. Hintergrund-Vorschläge der Fotografen geben nicht immer ein optimales Setup für Parkour-Bewegungen her und umgekehrt sind nicht alle "altbekannten Trainingsspots" für Fotografen interessant.

 

 

 

 

 
Wiederholen, wiederholen, wiederholen...

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Für Parkour-Fotografie sind so viele Wiederholungen wie (sicher) möglich, notwendig. Einige Bewegungen wird man aus guten Gründen auch nur wenige oder gar nur einmal ausführen: An solche Bilder sollte man sich allerdings erst heranwagen, wenn das Fotograf/Akteur-Team im Laufe eines Shootings bereits richtig eingespielt ist. Diese vielen Wiederholungen können sehr anstrengend werden, deswegen sollte man als Akteur Bewegungen suchen, die angenehm durchführbar sind. Den Unterschied zwischen persönlichen Maximal-Distanzen und angenehm/lockeren Sprüngen erkennt man auf Bildern eher selten und sind mit Änderung der Perspektive bzw. Know-How des Fotografs sehr leicht "kaschierbar". Man kann sich hier das Leben mit simplen Mitteln erheblich erleichtern. Wichtig ist allerdings, bei jedem Sprung alles zu geben und vollste Konzentration an den Tag zu legen, selbst wenn der Sprung nicht an der persönlichen Maximal-Distanz kratzt.
 
Bei Location-Wechseln nicht einfach drauf losspringen, sondern wieder bewusst aufwärmen und fokussieren. Die besten Shootings sind nicht unbedingt die, bei denen das beste Bild herauskommt, sondern bei dem Fotograf, Akteur (und evtl. auch das Equipment) unbeschadet bleiben.
 
 
Amateure und Profis:

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Wirkliche Parkour-Fotografen mit jahrelanger Erfahrung, gibt es relativ wenige. Hobby-Fotografen mit teurem Equipment, aber ohne Gespür für ein schönes Motiv, gibt es viele. Für Fotograf und Akteur gilt: Du solltest Dein Handwerk verstehen und jederzeit versuchen, es zu verbessern. Anstrengende Bewegungen wegen Bedienungsfehlern der Kamera zu wiederholen sind ärgerlich und verschwenden begrenzte Ressourcen (Energie-Level des Athleten).
 
"Just like parkour, there are no secrets. Just training." - Kiell.com / Andy Day
 
Üben, üben, üben... das Kredo in Parkour gilt hier auch für die Parkour-Fotografie. Diese explosionsartige Dynamik eines Traceurs muss live erlebt werden, damit die Millisekunden Unterschied bemerkbar werden, die zwischen einem ansprechenden Bild und einer Datei für den Papierkorb unterscheiden.
 
 
Das Equipment:

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Teures Equipment macht nicht automatisch schöne Bilder. Foto-Sessions mit Assistenz, Blitz-Equipment, Reflektoren, Lichtboxen, etc. sind kein Garant, für ansprechende Bilder. Der Vorteil von "travel light", ohne aufwändigem Blitz-Equipment und Assistenz, ist die Erreichbarkeit, Flexibilität und Agilität bei Spots. Um ungewöhnliche Stellen zu erreichen bzw. ungewöhnliche Perspektiven zu erlangen, ist Anpassungsfähigkeit ein Muss. Dies gibt einem Bild oft erst "das gewisse Extra".
 
Für spezielle Settings macht es Sinn mit mehr Equipment unterwegs zu sein (z.B. große Blitzanlagen), hier sollten die Locations allerdings besonders gut ausgewählt werden und Genehmigungen vorab organisiert werden. Wenn erst einmal alles aufgebaut und eingestellt wurde, tut es noch mehr weh, von einem Spot vertrieben zu werden.
 
Dieses Beispiel-Bild in Graz wurde mit einer älteren Spiegelreflex-Kamera gemacht, ohne jegliche Beleuchtung oder Assistenz. Durch ein eingespieltes Team und ohne teures Equipment entstand hier ein interessantes Bild, in einer schönen Flugphase kurz vor der Landung (Streckphase). Wäre der Auslöser nur Millisekunden früher/später betätigt worden, wäre eine uninteressante Flug-Haltung oder bereits die eher uninteressante Lande-Phase das Ergebnis gewesen.

 

 
Das ansprechende Bild:

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Die interessanten Phasen einer Bewegung sind grob in Absprung, Flugphase (oft kompakt), Landephase (gestreckt) und Landung zu unterteilen. Meist sind nur diese vier Phasen relevant und alles dazwischen optisch eher wenig ansprechend. Beim Absprung ist der komplette Körper unter Spannung, in der Flugphase meistens eine kurze kompakte Position, in der Landephase wieder komplette Körperspannung und bei der Landung ein kurzer Moment vor dem Erreichen des Ziels.

Diese kurzen Momente sind meist die Interessantesten und oft das Ziel, für Parkour-Bilder. Es gibt allerdings auch Situationen, bei denen sich der Körper in der Luft bewegt und man sich am Bild wundert "Was ist das für eine Bewegung?". Diese sind eher schwer zu forcieren bzw. ein nettes Zufallsprodukt.

 

 
Das uninteressante Bild:

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Bei diesen Beispielen eines Amateur-Fotografen, wurden genau die Phasen zwischen den interessanten Posen festgehalten. Der Körper ist gerade dabei sich auszurichten, der Bild-Ausschnitt eher uninteressant und das komplette Motiv (Hintergrund) uninteressant. Ein gutes Bild ist meist die Kombination aus ansprechender Umgebung und einer interessanten Flugphase bzw. Körperspannung. Im Idealfall sollte das Bild selbst ohne Parkour-Bewegung bereits sehr ansprechend aussehen und die Dynamik der Parkour-Bewegung noch das "I-Tüpfelchen" oben drauf sein. Im Optimalfall sollte der Fotograf also bereits einen ansprechenden Bild-Ausschnitt im Sinn/Fokus haben, welcher mit einer interessanten Bewegung gefüllt wird und nicht umgekehrt.

 

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In a nutshell:

  • Zusammenarbeit zwischen Akteur und Fotograf ("Reden bringt die Leute zusammen" & Ein Sprung sagt mehr, als tausend Beschreibungen)
  • Location scouting/Auswahl (Womit können Fotograf und Akteur gut arbeiten?)
  • Viele Bilder machen (Speicherplatz ist billig beschafft, Bewegungen kosten Energie)
  • RAW-Bilder bei schwierigen Licht-Verhältnissen in Erwägung ziehen (Bildbearbeitung - post production)
  • Perspektiven von unten sind meist Perspektiven von oben vorzuziehen (Gefühl für Höhen geht verloren)
  • Unter dem Akteur genug Platz im Bild lassen (besseres Gefühl für die Höhe)
  • Weitwinkel-Linsen verwenden
  • Schnelle Verschlusszeiten/Vor-Fokussieren

 

 

Zum Abschluss noch Tipps von einem erfahrenen Parkour-Fotografen.
 
Stefan Sietzen:
 

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Da es bei Parkourfotos meistens darum geht, einen Sprung oder ähnliches möglichst spektakulär/schwierig/weit aussehen zu lassen, ist es vor allem wichtig, die richtige Perspektive zu finden. Ich verwende dazu meistens ein Weitwinkel-Objektiv (17mm), und versuche wenn möglich den Sprung von unten zu fotografieren. Da das Weitwinkel Objektiv die Tiefe des Bildes verstärkt, wirkt der Sprung dadurch höher. Im diesem Beispielbild hat es auch geholfen, den Traceur eher am Rand zu positionieren, weil die Sprungweite durch die Verzerrung, die am Rand von Weitwinkelobjektiven auftritt weiter erscheint. Der gleiche Sprung aus einer anderen Perspektive schaut wesentlich unspektulärer aus (obwohl er wirklich recht weit ist). Hochhäuser im Hintergrund sind natürlich auch immer nett. Wichtig ist natürlich beim fotografieren generell auch das Licht, am Besten bei tiefer Sonne fotografieren. Wenn man einen Blitz verwendet, sollte dieser auf jeden Fall von einer anderen Position als die der Kamera blitzen, sonst bekommt man eine sehr flache Ausleuchtung.

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